Nimm alles
Nimm alles: meine Fotos aus dem Urlaub, meine Bikinibilder, meine Daten, meine Freunde, mein Haus, mein Auto, ich zeig dir alles und denk mir nichts dabei.
So in etwa lässt sich beschreiben, mit welcher leichtsinnigen und gedankenlosen Bereitwilligkeit viele Jugendliche und auch Erwachsene ihre Fotos, Daten und Meinungen ins Netz posaunen.
Ohne sich auch nur annährend darüber Gedanken zu machen, dass das Netz nie vergisst und was es für Konsequenzen, im privaten und beruflichen Alltag, haben kann, Fotos von Saufgelagen oder im neusten Minirock online zu stellen. Dabei verhalten sich viele Leute, als wären sie in einem Forum allein mit ihren “Freunden”, virtuellen Personen, die sie zum Teil gar nicht kennen. Fotos werden präsentiert, für die man sich im normalen Leben außerhalb des Netzes schämen würde.
Bei vielen Dingen, die sich dort abspielen, kann man einfach nur von Dummheit oder gnadenloser Naivität sprechen, vieles will man auch gar nicht sehen, geschweigedenn wissen.
Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen in Deutschland ist mehrmals die Woche in Foren wie Studi VZ oder Facebook unterwegs. Studi VZ zählt um die fünf Millionen Mitglieder, Facebook weltweit sogar 175 Millionen.
Für die Wirtschaft sind Menschen, die ihre Profile rasch mit Informationen über sich und ihren Lebensstil füllen, ein gefundenes Fressen, um perfekt zugeschnittene Werbung zu schalten; doch ist es in Deutschland aufgrund von datenschutzrechtlichen Aspekten nicht so einfach dieses umzusetzen.
Änderungen der AGBs in manchem Netzwerk fielen zwar nicht direkt auf, wurden dann aber entdeckt und die Reaktionen darauf waren ziemlich heftig.
Immer muss alles aktuell sein, jeden Tag will die Community neues Futter, noch mehr lustige Bilder, noch mehr tolle Geschichten von der Party, vom Lover, von der Zeit in der Schule. Es geschieht bereitwillig oder aus Nachlässigkeit, dass User nicht mal für unbekannte Menschen ihre Profile sperren, sondern alles zugänglich machen. Generell ist man im Internet nie allein und auch nie nur unter Freunden, es sehen viel mehr zu als man denkt.



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